Nach der ersten Arbeitswoche war ich so K.O. vom ungewohnten frühen Aufstehen (ich schiebs mal immer noch auf den Jetlag *hehe*), dass ich auf der Heimfahrt im Firmenbus eingenickt bin. An einer Bushaltestelle in Daedok angekommen, fragte uns eine der Controlling-Kolleginnen Doyeon, ob wir nicht Lust auf Chicken haben. Nach ner Woche Reis zum Frühstück und Mittag, klang das nach ner willkommenen Abwechslung :) Noch total verpeilt vom Nap und diesmal an einem richtigen Tisch sitzend wurde die Platte mit Gemüse und natürlich Chicken (Dakgalbi) wieder frisch zubereitet. Dazu gab es Ddeok...pretty spicy :) Nebenbei lief Baseball. Jaysang erklärte mir in Vorbereitung auf den nächsten Tag noch weiter die Spielregeln.
Der Freitagabend endete smooth und ich freute mich auf 12 Stunden Schlaf :) Am Samstag konnte ich erstmals richtig ausschlafen, obwohl ich hin und wieder von der Wasserleitung meines Nachbarn neben meinem Ohr geweckt wurde. Selbst nachts im Haus wird hier keine Rücksicht auf die Schlafenden genommen :-/ Es kracht und klimpert lautstark als gäb es kein morgen... Das deutsche Frühstück (koreanische Frosties und Toast mit Marmelade) war sowas von nötig! Pünktlich 14 Uhr wurden Lisa und ich von unseren beiden Freunden vom gestrigen Dinner zum Baseball und Sight-Seeing abgeholt: zweites Frühstück - traditionell koreanisch - Shabu Shabu - natürlich auf dem Boden sitzend - meine Knochen :D!
BTW: Die eiskalten Nudeln vom ersten Tag hießen 냉면 Naengmyeon, die es zum gegrillten Schweinefleisch (불고기 Bulgogi: quasi korean BBQ) dazu gab.
In der Mitte stand ein Topf mit Gemüsebrühe, dazu wurde eine Gemüseplatte und geschnittenes Rindfleisch serviert. Das wurde dann alles nach und nach in der Brühe gekocht und individuell entnommen und gedippt. War echt lecker, würd ich wieder bestellen!
Die Zeit verflog und wir mussten uns noch um Karten fürs Spiel kümmern. Daejeon hat ein ziemlich kleines Baseball-Stadion, dafür aber ein um so größeren Fußball-Stadion. Dort wurde zur WM 2002 Italien von den Gastgebern besiegt, das Spiel ist hier legen...warte kurz...es kommt gleich...där!^^
Spieltag: Daejeon Hanwha (Hann ha) vs. Seoul LG Twins
In kurzen Pausen zwischen den Innings (Spielabschnitten) wurde getanzt, getrunken und auch ein Wettessen veranstaltet :)
So langsam wurde es dunkel und die Flutlichter wurden angeschalten. Ist halt wie beim Fußball, nur dass das Feld etwas weitläufiger (im Sinne von Spielern je Spielfläche) erscheint. Der Pitcher (links, Werfer) des Defense Teams wirft den Ball zum Batter (rechts, Schlagman) des Offense Teams, der versucht, den Ball so zu treffen, dass dieser möglichst schwer zu fangen ist. Nachdem er die 3 Bases (Checkpoint, an denen er safe ist) passiert hat und wieder im Home angekommen ist, erhält das Offense Team einen Punkt. Das Defense Team versucht den Ball möglichst schnell zu den Bases zurück zu werfen, um somit 3 Spieler des Offense Teams OUT zu machen. Danach wird Offense und Defense gewechselt. Das nennt sich dann Inning. Insgesamt gibt es davon je Spiel mindestens 9, bei Gleichstand mehr...
In der Ahnenhalle von Hanwha...
Thema Wirtschaft: In Südkorea gibt es sog. Jaebeol (Schäbol). Das sind Mischkonzerne, die in allen möglichen Wirtschaftsbereichen (Elektronik, Bank, Bauwesen, Groß- und Einzelhandel) tätig sind. Die haben das Land mit staatlicher Unterstützung nach dem Krieg wieder aufgebaut. In denen sind auch die meisten Leute beschäftigt. Dazu gehören bspw. Samsung (Sammsang), LG, Hyundai und auch Hanwha. Die 8 existierenden Erstliga-Baseball-Clubs sind alle nach ihnen benannt/von denen finanziert.
Da der Spielstand 9:1 nach dem 8. Inning betrug, brachen wir etwas früher zur EXPO-Bridge aus. Leider war die nicht beleutet, keine Ahnung wieso... Vielleicht erwisch ich die mal noch belighted by night...
Zum Abendessen gab es pork leg...sone Art Scheinshaxe, klein geschnitten. Name fällt mir grad nicht mehr ein. Dabei lernte ich wieder ein paar Brocken Koreanisch: Too Jo Seo heißt: Bitte mehr davon! :)
Als Zugabe vom Wirt (wahrscheinlich für die nette koreanische Bestellung gab es eine Schüssel voller Reis, getrockneten Algenblättern (die wirklich nach gar nix schmecken), rotem Kaviar, weiterem Gemüse und Gewürzen, called Ju-muk bab (aka gekneteter Reis). Der musste auch von Hand selbst gerollt werden. War auch sehr lecker, obwohl ich nicht auf Fischeier stehe...
Wir hatten noch einen witzigen Abend. Eine Beilage war zB scharfe Peperoni. Jay und Doyeon probierten gleichzeitig zuerst, um die Schärfe zu prüfen. Ab in den Mund hieß es: "Oh...yes it's OK, you can try. Not spicy." bevor sie beide zeitgleich 3 Sekunden später das Gesicht verzogen und doch anderer Meinung waren: "Ouh, no! It's spicy, beware!" :D
Ich wagte mich trotzdem. Ein Fehler? Anscheinend bin ich nach ner Woche schon abgehärtet. Klar hat's gebrannt, aber es war trotzdem lecker. 2 Stücken (für jede Mundhälfte eine) waren mir aber genug, dann musste ich mit koreanischem Reiswein (Cheongju) ablöschen.
Der Plan für den nächsten Tag war noch nicht fix, aber das Museum of Buddhist Art klingt ganz reizvoll...mal schaun, ob wir da ohne guide ankommen...

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