...war sehr interessant. Ich habe nicht nur viel über das daily business und die Arbeitsweise hier in Korea (Cheonwon Plant, Conti Automotive Electronics, Korea) erfahren, sondern auch Büro-Gegebenheiten und typische Office-Days kennengelernt. An meinem ersten offiziellen Arbeitstag wurde weiteren Kollegen aus der Abteilung vorgestellt. Das war pretty complicated, weil man die ganzen Lees, Kims, Jungs und Parks zunächst nicht mehr zuordnen kann, nachdem man sich nach der Begrüßung 3m von ihnen entfernt hat. Noch schwieriger ist das mit den Vornamen.
Kleiner Sprach-Exkurs: Die koreanische Schrift und Ausdrucksweise (wie wahrscheinlich alle asiatischen Sprachen) unterscheiden sich stark von den westlichen. Damit man Nicht-Asiaten überhaupt halbwegs begreiflich machen kann, wie ein Name (oder sonst irgendwas) geschrieben wird, gibt es seit ein paar Jahren eine offizielle Romanisierung der Buchstaben usw.. Das Alphabet hat circa 40 Laute. Vokale wie bei uns gibt es in mehreren Varianten: das O zB. Einmal wie in Hose, andermal wie in Loch. Sei das nicht genug, werden A, E, O und U noch mit jeweils Y vorndran kombiniert. also ya (Ja), ye (Jee) usw. dann teilweise noch mit i hintendran (ui). Zwischen B und P oder D und T wird offiziell nicht unterschieden. Wie's halt rausrutscht :D, auch L und R sind der gleiche Buchstabe (--> Lobin^^). Dafür gibt es 4 verschiedene S ("es", ch/j = "sch" mit summen, ch als hartes Zischen und "Tch"). Aber noch viiiiel schwerer fällt den Koreanern das F, welches häufig zum B oder P wird. Hätt ich nie gedacht... Wenn man darauf nicht eingestellt ist und du wirst nach nem Kaffee (Copy) gefragt, dann stehst du im Wald...aber sowas von! Thema Kaffee muss ich andermal erörtern. Haben die einfach nicht drauf :/
Jeder Name (und Wörter i.A.) hat also eine romanische Form. Das macht's relativ einfach, wenn man's ließt, aber mit "nur hören" sind die teilweise nicht zu identifizieren. Nach ein paar Stunden Pauken des koreanischen Alphabets bin ich davon ausgegangen, dass mein Name so aussieht: 로빈. Koreanisch ist eine Silbensprache, also Ro-bin. Gelesen wird (je Silbe) von links nach rechts und dann nach unten.
Freitag wurde mir gesagt, dass Ro von den Koreanern nicht zu bewerkstelligen ist. Demnach wird eine Art Huo draus. Die wahre Aussprache ist mit westlichem Alphabet leider nicht realisierbar :) Ich bin also Mr. Huobin... an meinen Nachnamen hat sich auch der ein oder andere rangetraut, das Ü scheint aber wie eine 6 m Hürde beim Stabhochsprung *hehehe*
Ein typischer Arbeitstag sieht also in etwa so aus:
7:10 Uhr geht es mit dem Firmenbus ins 30 min entfernte Cheonwon zur Company. Direkt nach dem Betreten der Eingangstür heißt es nach Frau Hansen bei "Werner - Beinhart!": >!SCHUHE AUS!< und ab in die anti-elektrostatischen Company-Puschen. Unten: Holz=nur in Socken betreten
Ne anti-statische Company-Jacke gab es obendrauf (3/4 arm ^^).
Schuhfach F&A ganz oben, da kommt wohl sonst keiner hin.
Im Office eingecheckt (Zeitstempelkarten gibt es aber nicht) geht man zunächst Frühstücken. Mit Stäbchen und Löffel für die Suppe stell ich mich immer besser an. Die Mahlzeit besteht aus was? Natürlich Reis! Hier mit Ddeok, eingelegt in spicy-pepper-sauce. Dabei ist aber nicht Hund gemeint :) Ddeok sind sog. Rice-Cakes. Die werden in der Mall in allen Varianten angeboten. Süß, salzig, in irgendwelchem Mehl (fast süß; man kaut ca. 3 Stunden und hustet Staub) und natürlich in spicy-sauce, was erträglich ist, solange man weiß, was es ist und in welcher Geschmacksrichtung es einen trifft :D
Außerdem gibt es meist eine Gemüsesorte (hier eine Salatart mit Sesam und Fisch-Flavour), Chilisauce und einer Suppe, welche auch meist scharf gewürzt ist und nach dem Gemüse schmeckt, was drin rumschwimmt. (Spossen=Spargelgeschmack). Wie gesagt, ich bin noch beim Frühstück :)))
Es gab aber auch schon gebratenen Hering oder so kleine Fischlies als Beilage...Von der Zusammenstellung her ist es Mittags ähnlich, nur dass meist zusätzlich etwas paniertes angeboten wird: panierte Reisnudelkugeln, panierter Ddoek, oder ab und an mal Fleisch. Mit der Zeit weiß man, was einem schmeckt und wovon man eher die Finger lässt.
Im Laufe der Woche habe ich viele weitere Kollegen aus dem Werk kennengelernt. Einige davon sind echt über meine Körpergröße erstaunt gewesen. Aber die kleinen Koreaner sind echt sowas von hilfsbereit. Aber zum Teil auch sehr zurückhaltend, wenn es um Tacheles geht. Mal sehen, wie sich das noch so entwickelt. Das Controlling Team es echt der Hammer. Die Kollegen sind total nett und jeden 2. Tag bietet ein anderer an, mit uns am WE etwas zu unternehmen. Ich bin gespannt, was mich noch so erwartet...
Mein erster Toilettenbesuch war recht amüsant. Anscheinend ist die Elektronik zu Geräuschübertönung da.
Aller 2 Stunden ertönt jeweils um halb ein Glockenspiel: "Ein Männlein steht im Walde...". D.h. entweder kurzes Päuschen erlaubt (nach 10min ertönt es wieder) oder Frühstück/Mittag/Abendbrot (1 Stunde Abstand). Den Kollegen beim Telefonieren zuhören ist auch relativ lustig:
"Ne...Ne...Ne, ne....Ne...Ne...####nida. Nyangaseo." Da frag ich mich immer: was wird der denn gefragt? :D Ein Telefonat auf deutsch mit diesen Anworten mal abgesehen von Verabschiedung würde seinen Gesprächspartner am anderen Ende doch schon ziemlich verstimmen.
(BTW: Ye heißt ja, aber offenbar gibt's noch Abwandlungen. Aniyo heißt nein, das isses auch nicht^^)
17:40 fährt der Firmenbus zurück nach Daedok Techno Valley. Sind bisher jeden Tag an einem anderen Busstopp ausgeladen worden. Noch kein System erkennbar, aber zuhause bin ich bisher immer angekommen! Manchmal fragt der Busfahrer, wo wir hinwollen...glaub ich! Selbst mit "Lotte Mart" weiß der gute Mann manchmal nix anzufangen. Bei mehrmaliger Wiederholung und veränderter Betonung ("Loddäää Maaaaad") weiß er dann bescheid. Erkenntnis der 1. Woche: je schneller und schlechter, ja fast sogar sächsischer man koreanische Wörter ausspricht, desto eher wird man verstanden :) Zu Fuß geht es dann ca. 15min zurück in die OneBar und an vielen bunten und teilweise befremdlichen Werbebannern und Schildern vorbei:
Nicht zu verwechseln mit dem Hakenkreuz (gespiegelt) bedeutet dieses Symbol lediglich "Tempel" und entspricht auch dem Sonnensymbol (siehe Blog vom Sonntag). Komisch aber schon, wenn man auf der Straße erstmals auf ein solches Schild stößt...
Auf der Straße herrschen eigene Gesetze. Es wird gehustet, geschnieft, geschnoddert, hochgezogen und ja...auch gerotzt. Die Geräuschkulisse vom Verkehr könnte da teilweise lieber etwas lauter ausfallen. Aber wenn's hier normal ist...
Leider hab ich mich in der ersten Woche schon etwas erkältet. Das Verwenden von Taschentüchern hingegen sei wohl traditionell unhöflich/unhygienisch etc. In der Firma hat sich aber keiner beschwert...da blieb ich lieber Europäer. Zum Glück bin ich schnell wieder genesen (Danke@Fuchsgrund ;))
Auf der Straße herrschen eigene Gesetze. Es wird gehustet, geschnieft, geschnoddert, hochgezogen und ja...auch gerotzt. Die Geräuschkulisse vom Verkehr könnte da teilweise lieber etwas lauter ausfallen. Aber wenn's hier normal ist...
Leider hab ich mich in der ersten Woche schon etwas erkältet. Das Verwenden von Taschentüchern hingegen sei wohl traditionell unhöflich/unhygienisch etc. In der Firma hat sich aber keiner beschwert...da blieb ich lieber Europäer. Zum Glück bin ich schnell wieder genesen (Danke@Fuchsgrund ;))
Achso...die Koreaner putzen nach jeder Mahlzeit die Zähne. Wie sich das gehört! So trifft man nach Frühstück, Mittag etc. die Kollegen im Restroom (Toilette) bei der Kariesprophylaxe an :)) Auch in Schulen usw. sind nicht nur Schlappen sondern auch Mundpflege Routine. Deshalb gibt es im Lotte Mart auch 10er-Packs Zahnbürsten und Maxi-Packs Zahncreme für <5€.
Der Freitagabend wurde mit 3 Kollegen beim Abendessen (Chicken mit Chinakohl, Kimchi und Cass Beer) und Baseball im TV ausgeklungen.
Ich hoffe das klappt diesmal ein wenig besser mit der Formatierung. What-You-See-Is-What-You-Get klappt hier leider nicht ganz so.


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